Lilienthals Weltausstellung @ Flughafen Tempelhof

Die EM ist vor allem eins: Sehr aufdringlich. Dafür kann man Kunstausstellungen während Deutschlandspiels entspannt genießen. In Tempelhof gastiert Matthias Lilienthal mit “The World is not fair – Die Weltausstellung” und setzt sich damit ein eigenes kulturelles Denkmal, bevor er das Hebbel am Ufer verlässt.

Insgesamt 15 Kunstpavillons nehmen bei Matthias Lilienthals “The World is not fair – Die große Weltausstellung” die Aspekte aus 28 Expos auf und erstrecken sich auf die Weite des gesamten Tempelhofer Felds. Wer kein Fahrrad hat, leiht sich am Eingang Oderstraße eins und grast in Ruhe Exponat für Exponat ab. Dabei den Flughafen Tempelhof als Ausstellungsort zu verwenden ist so simpel wie genial. Jeder bestimmt das Tempo wie auch die Route und macht seine eigene Welt-Reise. An einem historischen Ort, der subjektive Erlebnisinseln schafft – durch Performances, bildende Kunst, Theater und Architektur.

Hans-Werner Kroesinger - Feldpost 2012
Kroesingers "Feldpost 2012"

Hans-Werner Kroesinger ließ sich vom Flughafen Tempelhof selbst inspirieren und stellte in “Feldpost 2012” nicht nur historische Fotos und Schriftstücke aus, sondern erweckt den Flughafen durch seine Soundinstallation wieder zu neuem Leben. Das Bild eines Zeppelins klebt am Fenster und der Fluglärm übertönt die eigenen Gedanken. Beim Verlassen der Stube wird es plötzlich ganz ruhig. Die Illusion weicht der Wirklichkeit.

Rabih Mroué - Double Shooting
Mroués "Double Shooting"

Viele Grashalme entfernt schockt Rabih Mroué mit “Double Shooting”. In Syrien beobachtete der Beiruter wie Protestierende ihre eigene Erschießung mit einer Handykamera filmten und dabei dem Scharfschützen direkt ins Auge blickten. Wer es schafft, seinen 42 Meter langen Tunnel in 80 Sekunden zu durchlaufen sieht den ganzen Film. Auf der Rückseite der Fotos druckte er Hinweise für das Gelingen eines Double Shoots – dem Aufeinandertreffen des Schusses des Fotografen und des Scharfschützen.

Tamer Yigit & Pranka Prlics “Quartier 52.46697°N13.396 °E”, präsentieren eine Holzbaracke mit Wohnwagen und Campingstühlen, mit Karaokeprogramm und Sonnenuntergangsperformance um 21 Uhr als Symbol für ständig umherziehende Sinti und Roma. Die Musik verleitet zum Tanzen und Mitsingen.

Kein Pavillon gleicht dem anderen und auch die künstlerischen Ansätze sind sehr unterschiedlich und machen Spiel zu Kunst, Kunst politisch oder Sport geisteswissenschaftlich. Ein buntes Feuerwerk, das uns Matthias Lilienthal, der Kurator vom Hebbel am Ufer, dort präsentiert. Für Lilienthal  ist es die große Abschiedsvorstellung – er verlässt das Hebbel am Ufer. “The World is not fair – Die große Weltausstellung” läuft noch bis zum 24. Juni. Die Pavillons sind Donnerstag und Freitag von 16 bis 22h geöffnet und Samstag sowie Sonntag von 14-22 Uhr. “The World is not fair” entstand in Zusammenarbeit von Matthias Lilienthal und Olafur Eliassons Institut für Raumexperimente.

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