Rückblick: April 2016

Lieber Leser, der April war der Vorbote für einen interaktiven Mai – mit ersten Einblicken in die Zukunft des Theaters, einem kritischen Blick in die virtuelle Gegenwart und die kulturelle Vergangenheit.

Große Kulturscherze versus große Kulturtwitterer 

Während große Kulturscherze am ersten April durchs Internet geisterten, twitterten die Kulturfritzen, andere Kulturbegeisterte und ich über den Geburtstag des Ernst-Thälmann-Kulturareals. Ich verfasste danach meine ganz persönliche Ode an den Plattenbau im Storify-Format. Nach all den Ernst-Thälmann-Diskursen folgte die Zitatkollage “Gestern. Heute. Morgen” von PortFolioInc.  Ja, quo vadis, liebes Theater?

Neue, interaktive Theaterformen

Hat das klassische Theater ausgedient? Während immer mehr Schauspieler kurz ihre Rollen verlassen, um zu kommentieren, was im Publikum passiert, drängen immer mehr neue Theaterformen auf die Bühnen. Das FIND – Festival Internationale Neue Dramatik – gibt jährlich einen guten Überblick über das, was das Theater noch leisten kann. Das Theater ist nicht mehr abgebildete Wirklichkeit, es wird interaktiver.

Der Einfluss von Social Media auf das Theater

Das FIND war eine gute Fundgrube für neue Formen von Dramatik, auf wenn beispielsweise die Kombination von Fußball-und Theaterfans auf einer Bühne gewöhnungsbedürftig war. Sanja Mitrovic präsentierte mit großem Einfallsreichtum gute und schlechte Ideen auf der Bühne. Und dann wow, dann gab es noch die Tagträumer, die mich bis heute nicht loslassen: Experience daydreaming in two interviews (englisches Interview). Nicht wegzudenken ist der Einfluss des Internets und seinen Trends auf das Theater. Und während ich noch dachte, jetzt das Abendmahl als Sittenbild der ägyptischen Gesellschaft nach dem arabischen Frühling zu sehen, wurde plötzlich über Instagram diskutiert: Das Abendmahl als Sittenstudie.

 

 

Privatheit im öffentlichen Raum

Aber nicht nur auf dem FIND fanden sich die Einflüsse von Instagram und co wieder. In Privacy im Hebbel am Ufer war plötzlich nichts mehr privat. Fast so wie auf Facebook. Dort kann man sich auch nicht den privaten Posts von Freunden entziehen. Erst dann, wenn man sie gelesen hat, weiß man wie privat man im öffentlichen sein kann. Und dann gehen einige den Schritt zurück und denken über sich selbst nach: Bin ich selbst auch schon so? Welche Daten überlasse ich dem Internet ohne darüber nachzudenken, wie privat sie eigentlich sind? Sei es in sozialen Netzwerken oder in einer App. Was macht das mit uns? Der Mensch wird zur Datenmaschine und genau darum geht es in der Ausstellung Nervöse Systeme/Nervous Systems im Haus der Kulturen der Welt. 

Digital-analog ist das neue Digitalsein

Und während ich so darüber nachdenke, wo ich mich in der virtuelle Welt befinde, fühle ich mich schizophren. Ich bin so analog und gleichzeitig digital überall präsentiert, dass ich nun für eines plädiere: Denke nicht mehr analog, denke nicht mehr digital. Denke digital-analog. Denn egal wie digital wir uns fühlen, im Grunde sind wir analoge Wesen, die ohne die digitale Welt gar nicht mehr sein können.

Wir lesen uns,
Susanne

 

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