Tanz im August 2021: „You cannot expect the dancer to go wild“

Colette Sadler. Copyright: Mikko Gaestel
Portrait Colette Sadler. Copyright: Mikko Gaestel

How can you make a human artificial? Choreograph Colette Sadler shows the answer in „ARK 1“. She tells the story of a lost cyborg in the dance piece as part of „Tanz im August“.

Colette, what is your personal approach to a a piece?

My choreographic work is conceptionally motivated. Throughout my works there have been two major thematics that I have dealt with in different ways. My earlier works focus on notions of hybridity, identity and otherness in relation to bodies and objects. In more recent works I focus on the relationship between bodies, digitality and virtual space. My approach starts with thinking about an idea then expanding those ideas into different media including (primarily) dance, visual images, text and sound. In this way my work can be understood as interdisciplinary, during the creation process I weaved layers of meaning using different media.

What was your recent research about?

I have been dancing all my life. The core of all my work is movement based. For “ARK 1” and my last two pieces “Learning from the Future” and “Temporary Store” I worked with the performer Leah Marojevic from London. Together we developed movement and choreography centering on understanding movement and its relation to technology. We developed a series of cyborgian figures for whom virtuosity becomes a translation of non human and a new internal “technology” based in dance. By analyzing all the aspects of the physical body, it was almost like a perspective from technology itself. And I used techniques to emphasize the artificiality of the body like speeding up, slowing down, rewinding.

I used techniques to emphasize the artificiality of the body

What inspired you to “ARK 1”?

My interest in sci-fi narrative, visions and different concepts of time was my starting point. The piece references sci-fi-movies such as Stanley Kubricks “Space Odyssey” and Ridley Scotts “Alien”. The costume of the cyborg is inspired by the jumpsuit Sigourney Weavers wears in the movie ”Alien”.  For “ARK 1” I was interested in feminist perspectives and articulating new narratives for women in relation to technology and space travel. The spoken text was written with the aid of artificial intelligence. It’s about cyborgian technology on the verge of obsolence after centuries of space travel.

Cyborg. Videostill „ARK 1“ by Colette Sadler and Mikko Gaestel

What can we expect from the piece?

“ARK 1” is an immersive video installation and performance intended for museum space. The first part is a sci-fi narration film that tells the story of the fictional bio-tech company VESSELS Inc. who launched the ARK as part of the Earths “Great Preservation Project”. The performance is a hallucinatory visual poem danced by Leah Marojevic on a rug. You cannot expect the dancer to go wild.

With “Strange Garden” you release another performance in august. How are they related?

“Strange Garden” is a piece for young audience. It portrays a living landscape made with objects from everyday life that transform to strange organic beings. “ARK 1” has a core fictional project based around the idea of synthetic life systems. So both works consider future nature in the absence of human life. If the earth would be no longer a place where we could live and which forms of life would still be there?

Further information:

„ARK 1“ will be shown on august 13th-16th at Tanz im August (St.Elisabeth-Kirche, Invalidenstr. 3, 10115), „Strange Garden“ will be shown at PURPLE- Internationales Tanzfestival für junges Publikum („Theater an der Parkaue“) on august 21rst, 22nd.

Berlinale 2021: Mit aller Wucht

Rakel freut sich, dass sie mit Mos alle abgezockt hat. Nur Mos weiß, dass sie ein Baby im Bauch trägt. Berlinale 2021: Film: Ninjababy. Copyright: Motlys
Rakel freut sich, dass sie mit Mos alle abgezockt hat. Nur Mos weiß, dass sie ein Baby im Bauch trägt. Berlinale 2021: Film: Ninjababy. Copyright: Motlys

Nächste Woche beginnt das Berlinale Summer Special mit aufregenden Filmen und Serien. Diese drei Produktionen gehen vom Kopf in Herz, Bauch oder direkt in die Magengrube.

Generation 14plus: Ninjababy

Inspiriert von Inga Saetre’s Comic „Fallteknikk“, in dem eine 16-Jährige ungewollt schwanger wird, entschied sich Regisseurin Yngvild Sve Flikke für eine sieben Jahre ältere Rakel, die mit ihrer besten Freundin in einer WG in Oslo lebt. Rakel ist Chaos pur. Ihr Zimmer ist nie aufgeräumt, die Haare strähnig und die Klamotten sind schnell zusammengesucht, bevor sie das Haus verlässt. Kristine Kujath Thorp wirft sich mit aller Kraft in ihre Rolle der stürmischen Schwangeren. Ihr begegnen potentielle Väter, ihr Ninjababy in Comicform, das auf ihr Zeichenblatt springt und sich fortan in alles einmischt. Die Animationen übernahm Saetre.

Ninjababy ist eine Hommage an eine Generation, die nicht bereit ist, „früh“ (mit Mitte 20) Eltern zu werden. Sie wollen weiterhin selbstbestimmt durchs Leben gehen; der Film erzählt aber auch von Freundschaft und Zusammenhalt.

“I want to tell viewers that it’s okay to stumble and mess up,
you’re going to do that many times in your life, and as long as
you get back on your feet, you’ll be fine.”
(Yngvild Sve Flikke)

„Es ist ok, hinzufallen und alles zu verbocken, so die Regisseurin, so lange man wieder auf die Füße kommt…“

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Berlinale Series: Ich und die Anderen

Tristan Brand (Tom Schilling) ist ein Typ, den man schnell wieder vergisst. So wie er sind viele. Er arbeitet in einer hippen Agentur, hat eine stylische Wohnung, Geldsorgen scheint er keine zu haben und auch er hat Stress mit Frauen und Familie. Plötzlich ist er der Auserwählte und kann sich alles wünschen. Nach ein bisschen Übung hat ers im (Bauch-)Gefühl: Jede falsche Entscheidung könnte in Wahnsinn enden.

Irres Drehbuch, das aus Langeweile entstand

David Schalko, der das Drehbuch in einem langweiligen Sommer verfasst hatte, packt alle Ideen in sein irres Skript, das alle Grenzen überschreitet und sich anfühlt wie ein wilder Trip. Alles ist perfekt inszeniert: Die Vernissage, in der Brands feministische Schwester (Sarah Viktoria Frick) ihn mit umgeschnallten Penis begrüßt, ein spontanes Love-Musical mit knallroten Herzluftballons und trällernden Nachbarn und kriegsähnliche Zustände auf den Straßen, weil sich alle gerade die Wahrheit gesagt haben (und das irgendwie nur zu schlechter Laune geführt hat).

„Ich und die Anderen“ ist eine bitterböse Groteske über das Ist, das Sein und Sein wollen. Vom Drehbuch war Schalko überzeugt, aber wer wolle das umsetzen, es sei zu avantgardistisch…! Sky hat es nun getan und der Filmkunst ein verrückt-lebendiges Denkmal gesetzt.

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Berlinale Series: It`s a Sin

London, Anfang der 80er Jahre. der 18-jährige Ritchie (Olly Alexander) ist gerade von der Isle of Wight in die Hauptstadt Großbritannien gezogen. Er hatte sein falsches Leben in einem konservativen Städtchen satt und stürzt sich in die Gay-Szene Londons. Schnell gründet er mit der herzenswarmen Jill (Lydia West), Partyboy Roscoe (Omari Douglas), Schneiderlehrling Colin (Callum Scott Howells) und dem schönen Ash (Nathaniel Curtis) die „Pink Palace“-WG. Jill wird für alle der Fels in der Brandung wird und Ritchie, gespielt von „Years & Years“-Sänger Olly Alexander, mutiert von der unerfahrenen Jungfrau zum Rockstar. Jeder will Sex mit ihm haben.

Als AIDS zur Schwulenkrankheit abgestempelt wurde

„It`s a Sin“ ist nur oberflächlich eine schwule Coming-out-Geschichte, denn Drehbuchautor und Produzent Russel T. Davies thematisiert auch die AIDS-Epidemie in Großbritannien. Der Virus wurde als Schwulen- und Junkiekrankheit abgestempelt, Aufklärung über den Virus gab es keine. T. Davies lässt Ritchie das aussprechen, was wohl viele über die Berichterstattung der Presse dachten: „Sie wollen uns Angst machen, uns daran hindern, Sex zu haben und uns zu Langweilern machen, weil sie nicht flachgelegt werden. Das ist die Wahrheit.“ AIDS sei doch nur Panikmache und nichts anderes als eine Geldmaschine.

Klasse Soundtrack, gute, ehrliche Dialoge

Der 80ies-Soundtracks ist hervorragend, die Dialoge geradeheraus. Als Jill mit Ritchie in der Küche sitzt, fragt sie ihn. „Hast Du schon darüber nachgedacht, einfach aufzhören?“ Ritchie entgegnet ihr: „Aufhören mit was?“ Jill: „Sex.“

Für T. Davis, der bereits die Serie „Queer as folk“ über Gay Boys in Manchester schrieb, gehört der Tod zur Serie dazu. „Tod ist nur der Schlusspunkt. Aber man muss zuerst den riesengroßen Satz zu Papier bringen, der davor steht“*

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„Death is just the full stop. You`ve got to write the great big sentence that comes before.“
(Russel T Davies)

T. Davies hat sich gegen eine zweite Staffel entschieden. Es sei alles auserzählt.

Informationen

Das Berlinale Summer Special findet von 9. bis 20. Juni in 16 Freiluft-Kinos statt. Voraussetzung für den Besuch einer Vorführung ist ein negativer Coronatest. Der Vorverkauf ist bereits eröffnet.

„Ninja Baby“ läuft in der Sektion Generation 14plus am 13. und 15. Juni. Die Berlinale Series laufen am 9. Juni („Ich und die anderen“) beziehungsweise am 11. Juni („It`s a Sin“).

DATA-Land: Tausche Daten gegen Körperlosigkeit

Denise. Foto: Borgtheater. Cyborg Performing Theater
Denise. Foto: Borgtheater. Cyborg Performing Theater

Schon längst hat das digitale Leben in unserem realen Leben Einzug gehalten und immer werden Daten gesammelt. Ganz gleich, ob Sportkurse, Fortbildungen oder Dating, das Leben im Netz bietet uns fast alles, was das Leben offline anbietet. Meistens bezahlen wir mit unseren Daten. „DATA-Land“ treibt unser Doppelleben auf die Spitze und schlägt vor, sich doch ganz für die Körperlosigkeit zu entscheiden.

Vorbereitung auf das digitale Leben

Die Game-Theater-Company BORGTHEATER lädt alle von zu Hause ein, sich für den Upload nach T.R.U.E. vorzubereiten. Dafür braucht es einen Computer und ein Smartphone dazu, die App TotoGo und die adretten Assistentinnen Ella (Charlotte Saphire Alten) und Inga (Mandy Rudski) führen im Twitch-Livestream durch den Spielverlauf.

Nach und nach offenbaren die Spieler* Name, Altersgruppe, Hobbies, Stärken, Wünsche und Schwächen, nur um einen guten HEU – Human Essence Unit – Wert zu erzielen. Auch die Stimmen werten Ella und Inga aus. Dazu fordern sie alle auf, sich dem Sprechgesang anzuschließen: „“Digital zu sein, es ist so schön, digital zu sein.“ Ein bisschen Werbung kann ja schließlich nicht schaden.

Je mehr Daten, desto höher der Wert

Die beiden Frauen ermutigen alle, sich für körperloses Dasein zu entscheiden. Nicht alle Teilnehmer* werden sie uploaden können. Doch nur, wer am Ende genug Wertpunkte gesammelt hat, darf in das digitale Paradies eintreten. Und so werden weiter munter Daten gesammelt. Wer ein Selfie macht, bekommt extra HEU-Punkte.

„DATA“-Land ist ein ironischer Seitenhieb auf Big Data mit klarem Spielverlauf und bissig-ironischer Sprache: „So jung wie jetzt werden Sie nie wieder sein“ Überraschungen gibt es leider wenige.

Weitere Informationen:

„DATA-Land – Lade Dich hoch“ wurde von 20. bis 30. Mai im Rahmen des Performing Arts Festivals gezeigt. Das Stück ist Teil 2 der Trilogie „Costumerzombifikation“

„As a performer you need to be a bit crazy“

Paulien Truijen @Cie.Woest
Fotos: Cie Woest

An Ananas, a present and lot of office chairs are part of the dance performance „Balancing Bodies“ of Cie. Woest. They show the piece on 24th and 25th of january at PURPLE dance festival in Berlin. Dancer Paulien Truijen talks about what happens on stage, how she founded the company and why she likes site-specific performances.

Paulien, you’ve founded Woest with Manon Avermaete. How come and why?

We were in the same class at the Theaterschool/modern dance department in Amsterdam from 2003-2007. We first became friends and travelled together, after that we realized that we also liked to create performances together. This we kept on doing after school and Cie. Woest was born! 

What is very typical for Woest?

Performances on unusual spaces with recognizable movements with touch of humor. As a performer you need to be theatrical, good in partner work and a bit crazy. 

„Outdoors you have a lot of situations you can’t predict“

You’ve founded your company with site-specific performances in the street and in the woods. What is the difference between playing outside and playing inside and what can you learn from it?

Outdoors you have a lot of situations you can’t predict. The weather, the people who come to visit or pass by, dogs barking… The performers have to be sharp and prepared for what’s coming. A performance outdoors is never the same. You learn to open yourselves and be prepared for the unknown. Improvise with the circumstances you’ll get. Our dancers need these qualities as well for “Balancing Bodies“! 

The audience can choose where they want to sit throughout the whole performance. If you want to sit first row, or safely hidden in the back. What can they expect?

We wanted to create a performance space that was off balance. We give responsibility to our audience to co-create the performance. Together we make the balance of the performance, each performance is different and unique. Every time we perform, we search again for the right balance with the audience.

 

„We give responsibility to our audience“

Balancing Bodies. Copyright: Young Dance Festival.

How do you rehearse a piece like „Balancing Bodies“, which is always different when you perform it?

When we created it, it was a big question mark how our audience would react. Before we premiered it in 2018, we have had several try-outs with test audiences. With these experiences, we made a base of movements and actions where the performers could hold on to, but with every performance we get challenged again and learn from it for the next performance. 

How do you experience the piece as a dancer?

I am a dancer, but also the production leader. So I prepare for every performance again all the props we need to the performance, and trust me: we have a lot of stuff! Our big yellow van was never so full as with “Balancing Bodies”! If something breaks or the audience finishes it, I will make sure it gets fixed or replaced for the next performance! 

“ With every performance we get challenged again“

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More Information

„Balancing Bodies“ of Cie.Woest will be shown at PURPLE – Internationales Tanzfestival für junges Publikum, here is a link to an interview with the curator of the dance festival, Canan Erek