Berlinale 2021: Mit aller Wucht

Rakel freut sich, dass sie mit Mos alle abgezockt hat. Nur Mos weiß, dass sie ein Baby im Bauch trägt. Berlinale 2021: Film: Ninjababy. Copyright: Motlys
Rakel freut sich, dass sie mit Mos alle abgezockt hat. Nur Mos weiß, dass sie ein Baby im Bauch trägt. Berlinale 2021: Film: Ninjababy. Copyright: Motlys

Nächste Woche beginnt das Berlinale Summer Special mit aufregenden Filmen und Serien. Diese drei Produktionen gehen vom Kopf in Herz, Bauch oder direkt in die Magengrube.

Generation 14plus: Ninjababy

Inspiriert von Inga Saetre’s Comic „Fallteknikk“, in dem eine 16-Jährige ungewollt schwanger wird, entschied sich Regisseurin Yngvild Sve Flikke für eine sieben Jahre ältere Rakel, die mit ihrer besten Freundin in einer WG in Oslo lebt. Rakel ist Chaos pur. Ihr Zimmer ist nie aufgeräumt, die Haare strähnig und die Klamotten sind schnell zusammengesucht, bevor sie das Haus verlässt. Kristine Kujath Thorp wirft sich mit aller Kraft in ihre Rolle der stürmischen Schwangeren. Ihr begegnen potentielle Väter, ihr Ninjababy in Comicform, das auf ihr Zeichenblatt springt und sich fortan in alles einmischt. Die Animationen übernahm Saetre.

Ninjababy ist eine Hommage an eine Generation, die nicht bereit ist, „früh“ (mit Mitte 20) Eltern zu werden. Sie wollen weiterhin selbstbestimmt durchs Leben gehen; der Film erzählt aber auch von Freundschaft und Zusammenhalt.

“I want to tell viewers that it’s okay to stumble and mess up,
you’re going to do that many times in your life, and as long as
you get back on your feet, you’ll be fine.”
(Yngvild Sve Flikke)

„Es ist ok, hinzufallen und alles zu verbocken, so die Regisseurin, so lange man wieder auf die Füße kommt…“

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Berlinale Series: Ich und die Anderen

Tristan Brand (Tom Schilling) ist ein Typ, den man schnell wieder vergisst. So wie er sind viele. Er arbeitet in einer hippen Agentur, hat eine stylische Wohnung, Geldsorgen scheint er keine zu haben und auch er hat Stress mit Frauen und Familie. Plötzlich ist er der Auserwählte und kann sich alles wünschen. Nach ein bisschen Übung hat ers im (Bauch-)Gefühl: Jede falsche Entscheidung könnte in Wahnsinn enden.

Irres Drehbuch, das aus Langeweile entstand

David Schalko, der das Drehbuch in einem langweiligen Sommer verfasst hatte, packt alle Ideen in sein irres Skript, das alle Grenzen überschreitet und sich anfühlt wie ein wilder Trip. Alles ist perfekt inszeniert: Die Vernissage, in der Brands feministische Schwester (Sarah Viktoria Frick) ihn mit umgeschnallten Penis begrüßt, ein spontanes Love-Musical mit knallroten Herzluftballons und trällernden Nachbarn und kriegsähnliche Zustände auf den Straßen, weil sich alle gerade die Wahrheit gesagt haben (und das irgendwie nur zu schlechter Laune geführt hat).

„Ich und die Anderen“ ist eine bitterböse Groteske über das Ist, das Sein und Sein wollen. Vom Drehbuch war Schalko überzeugt, aber wer wolle das umsetzen, es sei zu avantgardistisch…! Sky hat es nun getan und der Filmkunst ein verrückt-lebendiges Denkmal gesetzt.

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Berlinale Series: It`s a Sin

London, Anfang der 80er Jahre. der 18-jährige Ritchie (Olly Alexander) ist gerade von der Isle of Wight in die Hauptstadt Großbritannien gezogen. Er hatte sein falsches Leben in einem konservativen Städtchen satt und stürzt sich in die Gay-Szene Londons. Schnell gründet er mit der herzenswarmen Jill (Lydia West), Partyboy Roscoe (Omari Douglas), Schneiderlehrling Colin (Callum Scott Howells) und dem schönen Ash (Nathaniel Curtis) die „Pink Palace“-WG. Jill wird für alle der Fels in der Brandung wird und Ritchie, gespielt von „Years & Years“-Sänger Olly Alexander, mutiert von der unerfahrenen Jungfrau zum Rockstar. Jeder will Sex mit ihm haben.

Als AIDS zur Schwulenkrankheit abgestempelt wurde

„It`s a Sin“ ist nur oberflächlich eine schwule Coming-out-Geschichte, denn Drehbuchautor und Produzent Russel T. Davies thematisiert auch die AIDS-Epidemie in Großbritannien. Der Virus wurde als Schwulen- und Junkiekrankheit abgestempelt, Aufklärung über den Virus gab es keine. T. Davies lässt Ritchie das aussprechen, was wohl viele über die Berichterstattung der Presse dachten: „Sie wollen uns Angst machen, uns daran hindern, Sex zu haben und uns zu Langweilern machen, weil sie nicht flachgelegt werden. Das ist die Wahrheit.“ AIDS sei doch nur Panikmache und nichts anderes als eine Geldmaschine.

Klasse Soundtrack, gute, ehrliche Dialoge

Der 80ies-Soundtracks ist hervorragend, die Dialoge geradeheraus. Als Jill mit Ritchie in der Küche sitzt, fragt sie ihn. „Hast Du schon darüber nachgedacht, einfach aufzhören?“ Ritchie entgegnet ihr: „Aufhören mit was?“ Jill: „Sex.“

Für T. Davis, der bereits die Serie „Queer as folk“ über Gay Boys in Manchester schrieb, gehört der Tod zur Serie dazu. „Tod ist nur der Schlusspunkt. Aber man muss zuerst den riesengroßen Satz zu Papier bringen, der davor steht“*

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„Death is just the full stop. You`ve got to write the great big sentence that comes before.“
(Russel T Davies)

T. Davies hat sich gegen eine zweite Staffel entschieden. Es sei alles auserzählt.

Informationen

Das Berlinale Summer Special findet von 9. bis 20. Juni in 16 Freiluft-Kinos statt. Voraussetzung für den Besuch einer Vorführung ist ein negativer Coronatest. Der Vorverkauf ist bereits eröffnet.

„Ninja Baby“ läuft in der Sektion Generation 14plus am 13. und 15. Juni. Die Berlinale Series laufen am 9. Juni („Ich und die anderen“) beziehungsweise am 11. Juni („It`s a Sin“).

66. Berlinale: Goldbär für Lampedusa-Doku

Kollektivet | The Commune Wettbewerb 2016 DNK/SWE/NLD 2015 von: Thomas Vinterberg Trine Dyrholm © Henrik Petit

Bevor ich mich dem Goldbären widme, möchte ich mich bei Trine Dyrholm entschuldigen. Ich hatte vergessen, ihre großartige Leistung in Thomas Vinterbergs „Kollektivet“ zu erwähnen. Von der Berlinalejury wurde sie mit dem silbernen Schauspielbären ausgezeichnet. Ein Überblick.  Read more