Love Alien: Vergessen von Amor?

Auf jeden Topf passt ein Deckel. Nur wann? Der Filmemacher Wolfram Huke hatte noch nie eine Beziehung und das inspirierte ihn zu einem mutigen Schritt: Er nahm mit 29 die Kamera in die Hand und dokumentierte in „Love Alien“ sein Leben als Dauersingle.

Auf der Suche nach Liebe

Verliebt hatte sich Huke schon öfter, doch immer scheiterte er. Er wusste als selbsternannter „Love Alien“ nicht, wie die Liebe funktioniert: Wie und vor allem wann macht man den ersten Schritt? Huke sucht in seinem Langfilmdebüt nach Antworten für sein Dasein als Single. Die Gefahr der Selbstinszenierung war groß, doch Huke spricht von sich in der Du-Form und schafft so etwas Distanz zu dem Wolfram, den er filmt und beobachtet.

Ein Lebensjahr mehr ohne Freundin

Bei Kerzenschein gratuliert sich Wolfram zum 30. Geburtstag, er prostet der Kamera mit einem Glas Wasser zu, seine Eltern wünschen ihm alles Gute. Wolfram wirkt einsam. Mit jedem Geburtstag wird es ein Lebensjahr mehr ohne Freundin. Ein Jahr zuvor, an seinem 29. Geburtstag, schnappte er sich die Kamera und ließ sie ein Jahr, Tag und Nacht, nicht mehr los. In der Badewanne und im Fitnessstudio filmt er seine Beine, im Bett stellt er sich eine Freundin an Stelle der Kamera vor und erstellt vor der Kamera ein Profil für eine Partnerschaftsbörse.

Imponierende Schonungslosigkeit

Tabus kennt der Protagonist keine. Wolfram spricht von seinem Versuch, im Bordell die Jungfräulichkeit zu verlieren, zeigt auch einmal, wie seine Hand unter die Bettdecke gleitet. Seine Schonungslosigkeit imponiert und macht neugierig auf mehr. Pornographisch wird es aber nie.

Große Entdeckungsfreude

Er probiert vieles aus und trifft Freundinnen. Eine von ihnen offenbart sich auch als „Love Alien“. In 72 Minuten reist Wolfram von München nach Magdeburg, Berlin und Mühlhausen, Zagreb, St. Andrä und Madrid. Wolfram fragt eine Beziehungstherapeutin um Rat, filmt sie während der Sitzung. Der Dauersingle lernt, wie man selbst zur Marke wird, läuft Marathon und betet.

Besonders sympathisch wirkt der Filmemacher, wenn er augenzwinkernd über seine Welt nachdenkt:

„Elli heisst die Katze. Sie gehört der Nachbarin zwei Balkone weiter. Anfangs habe ich noch nach ihr gerufen „Elli, Elli?“ Wenn Elli grad mal wieder bei Dir war. Catsharing. Elli duftet immer nach dem Parfum der Nachbarin. Ob sie nach irgendwas duftet, wenn sie von dir kommt?“

Was ursprünglich nie als Selbstdoku geplant war, entpuppt sich als geniale Idee und unterhaltsames Doku-Stück, das weite Kreise ziehen wird.

 

Weitere Informationen

Erstveröffentlichung der Filmkritik zu “Love Alien”: 13. Mai 2013.

 

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