Regisseurin Pauline Roenneberg verzichtete bei ihrem Spielfilmdebüt „Kalter Hund“ auf ein Drehbuch. Stattdessen erarbeitete das Ensemble ein Treatment mit geschwärzten Passagen und nur einer Kamera.
Für nd.aktuell habe ich mit Pauline Roenneberg über die Entwicklung des Treatments der Familienkomödie gesprochen.
Eine gekürzte Zusammenfassung mit Zusatzfrage
In „Kalter Hund“ verstirbt der Ehemann von Marianne (Corinn Harfouch) direkt an seinem 100. Geburtstag. Als ihre Tochter Valerie (Victoria Mayer) und Enkelin Fanny (Lea Drinda) den Toten im Haus entdecken, soll die Familienfeier ganz normal weiterlaufen. Keiner darf über den Toten reden. Das sei ein generelles Problem, so Roenneberg: „Niemand sagt, was Sache ist, oder benennt die Dinge, die passieren – auch eigene Trauergefühle werden einfach unterdrückt. Diese Dynamik sagt wahnsinnig viel über unsere Gesellschaft aus.“ Alte Konflikte kochen hoch, dann fragt Fanny: War der Opa ein Nazi?
Roenneberg fand am Set heraus, dass viele im Team ähnliches erlebt hatten: „Gefühlt jeder am Set sagte: »Ich habe auch so ein Fotoalbum gefunden.« Oder: »Ich weiß selber nicht so genau, was meine Großeltern genau gemacht haben.« Für mich ist dieses Schweigen darüber der Ursprung des Problems. Aus diesem Schweigen entwickelt sich ein Gefühl von Scham und Schuld, die an die nächsten Generationen weitergegeben wird.“ Damit der Konflikt möglichst echt wirkte, hatte jeder im Team ein Geheimnis. Die Schauspieler kannten nur ihre eigenen Passagen „Die Schauspieler wussten nicht, was der Film am Ende erzählt, aber ich wusste immer, wonach ich suche; ich wusste nur noch nicht, wie der Weg dahin aussehen würde.“
Du hast mit einer Kamera gedreht, was bedeutet, kein Netz und keinen doppelten Boden zu haben. Wie hast du gemeinsam mit Ihrem Kameramann Bernd Effenberger die Aufnahmen umgesetzt?
Ich bin ein großer Fan von nur einer Kamera, weil ich glaube, man entscheidet sich dann wirklich für den Moment und versucht nicht, alles auf den Schnitt zu schieben. Direkt im Set waren nur Bernd Effenberger und der Kameraassistent, der die Schärfe gezogen hat, die Tonassistentin und ich. Wir haben uns im Raum frei bewegt. Manchmal mussten wir uns ducken oder uns schnell hinter eine Säule verstecken, um den Schauspielern den Raum zu geben. Das war wie ein Tanz, weil das ganze Set bespielbar war.
Der erste Take war so frei wie möglich, dann wurden wir gestalterischer. Manchmal habe ich reingerufen oder interveniert, wenn es in eine Richtung ging, die wir gar nicht suchen und dann an einem bestimmten Punkt wieder angesetzt. Wir haben chronologisch erzählt. Meine Dramaturgin, Britta Schwem war mit am Set, sodass wir dann immer rekapitulieren konnten: Was bedeutet das Improvisierte für die Geschichte? Wir hatten auch einen Schnitttrick: Immer, wenn sich das Licht geändert hat, habe ich einfach kurz auf Mariannes Mops geschnitten.
Weitere Informationen
»Kalter Hund«, Deutschland 2026. Regie und Buch: Pauline Roenneberg.
Mit: Corinna Harfouch, Lea Drinda, Victoria Mayer, Thomas Mraz, Karoline Eichhorn, Mai Duong Kieu, Jeremias Meyer, Simon Pearce, Johanna Bittenbinder, Niels Bormann.
125 Min. Kinostart: 17. September